Tango erhalten, Begegnungsräume schaffen

Von Thomas
25. Mai 2020, 18:26

Nicht nur der Körper, auch die Seele sehnt sich nach Musik, Begegnung und gemeinsamen tanzen. Diese Wochen und Monate ohne Tango, ohne dass wir uns alle sehen, sprechen und umarmen können, sind eine echte Herausforderung für das Gemüt. Zu viele Gruppen fallen durch das Raster des in dieser Situation unsäglichen Begriffs der „Systemrelevanz“. Selbstverständlich ist Kultur essentiell für unsere Gesellschaft: Ohne die Vielfältigkeit, Offenheit, die Verrücktheit und die Schöpfungskraft von Kultur fehlen uns menschliche Begegnungsräume. Wenn der aktuelle Diskurs nicht mit menschlichen Werten im sozialen Raum geführt wird, entsteht etwas Spaltendes und Destruktives. Gerade jetzt sind wir auf gute und sinnvolle Kommunikation angewiesen, vor allem auch mit Andersdenkenden. Unsere Kultur schafft, was sonst nicht so einfach ist: Sie eint uns, auch und obwohl wir anders sind.

In einigen Bundesländern haben nun die ersten Tanzschulen wieder geöffnet. Tango, wie wir ihn kennen mit durchmischten Gruppen, Partnerwechseln, Singles-Kursen und dem lebendigen sozialen Durcheinander der Milongas, ist jedoch weiterhin nicht möglich. Mit dem eingeschränktem Betrieb können Miete und Honorare nicht erwirtschaftet werden, denn eine Tanzschule lässt sich nur mit vielen gut besuchten Kursen, Workshops, Abendveranstaltungen sowie Vermietungen finanzieren.

Umso mehr bin ich Euch allen für Eure Spenden enorm dankbar ❤️!!! Sie helfen das Nou weiterhin über Wasser zu halten und geben uns Mut, dass wir es gemeinsam durch diesen Sturm schaffen. Mit den Bundesmitteln aus der Soforthilfe II und den Spenden können wir Miete und Grundkosten bis 31.07.2020 bezahlen, auch weil uns unser Vermieter im März und April einen Miet-Nachlass von 20% gewährt hat. Weitere Unterstützung von staatlicher Seite oder Mietnachlässe stehen derzeit nicht in Aussicht.

Bis wir den Betrieb wieder im Umfang wie vor März 2020 aufnehmen können, sind wir auf weitere Spenden angewiesen. Dafür entwickeln wir derzeit ein Nou Heldinnen-Modell, mit dem wir solidarisch das Nou in die Zukunft tragen können. Das Modell wird absolut transparent sein, die Spenden werden ausschließlich für die Mietkosten verwendet, und selbstverständlich nur so lange, bis wir diese wieder aus dem laufenden Betrieb heraus finanzieren können. Sobald das der Fall ist, feiern wir eine große Tango-Party, bei der wir uns dann alle wieder in die Arme fallen können! Genaue Informationen zu dem Nou Heldinnen-Modell schicke ich Euch Anfang Juni. Haltet die Zehen beweglich und die Achse stabil, und hoffentlich früher als später tanzen wir wieder.

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